Komplet

Die Tagesschau gehört dazu, der „Tatort“ und gemeinsames Abendessen in der Familie: der Sonntagabend in Deutschland. Feste Gewohnheiten, die Untergliederung des Tages, der Woche oder des Jahres in feste Abschnitte, helfen, das Leben zu strukturieren. Alle, die Kinder erziehen, wissen um die Bedeutsamkeit von festen Ritualen, die Kinder auch oft noch als Erwachsene prägen und die sie weiterführen. Die Kirche kennt diese Art der Strukturierung – das Glockenläuten zur vollen Stunde oder die Gebetszeiten, die sich über den Tag verteilen: die Laudes am frühen Morgen zum Sonnenaufgang, die Vesper am späten Nachmittag und die Komplet, das Nachtgebet.

Die Pfarrgemeinde lädt sonntags zur Komplet in den Chorraum von St. Peter und Paul ein.

Das Nachtgebet der Kirche beginnt mit einer kurzen Gewissenserforschung oder Reflexion: Was war gut, was weniger gut an dem vergangenen Tag? Welche Begegnungen, Erlebnisse bleiben in Erinnerung, waren wichtig? Mit einem Psalm weitet sich der Blick: Die Psalmen, uralte Lob- und Danklieder, Klagen und Bitten des Volkes Israel, sind faszinierende Texte, die die Kirche schon in frühester Zeit übernommen und in ihr Gebet integriert hat.

Schließlich folgt in jeder Komplet der „Lobgesang des Simeon“; Simeon ist ein Greis, den der Evangelist Lukas bei der Begegnung mit dem Kind Jesus sagen läßt: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ (Lk 2,29-32)

Sicherlich, 21 Uhr am Sonntagabend ist eine Herausforderung. Aber sich einzureihen in das Nachtgebet der Kirche mit einem Blick auf das eigene Leben, einem Impuls aus den Psalmen und dem zuversichtlichen Gedanken an das Heil, das von Gott gekommen ist, kann es zumindest mit der Tagesschau und dem „Tatort“ aufnehmen.